In Neuerburg hat am 5. Oktober 2026 ein neuer Ort aufgemacht: Kiosk, Bäckerei und Postannahme in einem, mitten in der Marktstraße. Ein Treffpunkt eben. Und genau so sollte er auch aussehen: herzlich, regional und ein bisschen handgemacht.
Ein Kiosk in einer Kleinstadt ist kein Lifestyle-Konzept, sondern ein Ort, an dem man sich morgens kurz sieht. Deshalb kein glattes Corporate Design, sondern eine Handschrift: Die Silhouette zeigt die Stadt, wie man sie kennt, der Schriftzug ist von Hand gelettert. Die Plakate sprechen mit einem Augenzwinkern, so wie man sich an der Theke halt unterhält.
Auf den Plakaten steht das Logo bewusst nicht allein, sondern auf dem, was man im Treffpunkt bekommt: Brötchentüte, Kaffeebecher, Kaltgetränk, Briefumschlag. Ein neues Logo kennt noch niemand, zur Eröffnung soll es aber trotzdem groß rauskommen. Wer noch nicht bekannt ist, zeigt deshalb am besten das Produkt direkt mit. Dann verbinden die Leute das Logo mit etwas, das sie schon kennen, und merken es sich eher.
Bevor ich gezeichnet habe, habe ich Neuerburg zerlegt: Referenzfotos von der Burg, der Pfarrkirche St. Nikolaus und dem Rundturm am alten Vogtgebäude, im Stadtpanorama markiert. Das sind die drei Silhouetten, die man von fast überall in der Stadt sieht.
Die erste Iteration war eine flache Silhouette mit Schreibschrift. Sauber, aber austauschbar. So hätte jede Kleinstadt aussehen können.
Also zurück aufs Papier. Burg und Altstadt von Hand gezeichnet, mit Schraffuren und schiefen Dächern, dazu der Schriftzug von Hand gelettert.
Daraus wurde eine feine Strichzeichnung. Detailreich, charmant, und im großen Format genau das, was ich wollte.
Dann kam der Test in Briefmarkengröße, und da hat sie sich nicht mehr getragen. Die feinen Linien laufen zu, die Burg wird zum grauen Fleck. Auf einem Schlüsselanhänger, einer Brötchentüte oder als Profilbild in Social Media wäre davon nichts übrig geblieben.
Die Lösung sind zwei Versionen: eine detaillierte für große Flächen wie Schild und Plakat, und eine schlanke für kleine Formate. Die Silhouette ist kräftiger, es sind weniger Linien, und der handgeletterte Schriftzug hält beides zusammen.
Schild über der Tür, Plakat am Eingang, und draußen sitzen die ersten Gäste in der Sonne. So sieht das Erscheinungsbild nicht mehr als Mockup aus, sondern in echt.
Das schönste Feedback: Das Plakat „Hier geht die Post ab.“ wurde in der WhatsApp-Community „Neuerburg Aktuell“ geteilt und hat die Neueröffnung direkt in die Handys der Stadt gebracht.
Die Anhänger sind aus Buchenholz und mit dem Laser graviert. Vorbereitet wird alles in der Laser-Software: Logo und Rabatt-Motiv platzieren, Leistung und Geschwindigkeit einstellen, Rohlinge auslegen. Dann heißt es zuschauen.
Bevor die ganze Serie lief, gab es Testgravuren, vorne wie hinten, mit verschiedenen Einstellungen nebeneinander.
Die Vorderseite mit dem Logo hat auf Anhieb funktioniert. Die Rückseite nicht ganz: Die kleinen Buchstaben von „Kaffee | Tee | Kakao“ sind bei den ersten Durchläufen im Holz verbrannt und zu dunklen Flecken verlaufen. Statt alles neu zu machen, gab es eine Rettungsaktion mit Farbe und feinem Pinsel, Buchstabe für Buchstabe. Für die nächsten Durchgänge wurden Leistung und Geschwindigkeit angepasst.
Am Ende lag die ganze Serie im Karton, bereit für die Eröffnung.
So kommen die Anhänger bei den Gästen an: auf einer schwarzen „danke!“-Karte, die ich passend dazu gestaltet habe. Angelina hat sie dann mit Gummibärchen in Organzasäckchen gepackt.
Statt einer Rechnung bekam ich einen Platz im Laden: Seit dem 12. Oktober steht im Treffpunkt mein eigenes Display, auf dem ich für mich werbe und mein Kunsthandwerk verkaufe. Wie das entstanden ist und was darauf hängt, steht in der Werkbank: Goldener Oktober.