Kollektion · Herbst 2026

Goldener Oktober

35 Kunstobjekte, handgemacht in Oberlascheid, ausgestellt im Neuerburger Treffpunkt in Neuerburg. Geschwister, keine Zwillinge. Tipp auf die goldenen Punkte und schau dir das Display aus der Nähe an.

Das komplette Display: schwarze Lochwand auf Rollwagen mit Blumen, Anhängern, Hängepflanzen und Werbetafel
OBJ 001–021 Die ersten 21 Objekte leben in der Thank-You-Box. Zur Geschichte →

Schlüsselanhänger

OBJ 022–027

Schwarz-goldene Blüten, jede mit eigener Perlenfolge. Gleiche Familie, eigener Kopf.

3D-gedruckte Blüte, lasergravierte Messing-Münze, Glasperlen, goldene Ringe

Hängepflanzen

OBJ 028–033

Mini-Ampeln für den Rückspiegel. Jede rankt anders, keine wächst wie die andere.

Töpfchen, grüne Glasperlen, Blätter aus Glas, Draht, goldene Kette

Magnete

OBJ 034–046

Blüten zum Festhalten. Gleiche Technik, aber jede Farbe und jede Form ein eigener Charakter.

Pfeifenputzer, Magnet

Blumen am Stiel

OBJ 047–056

Lilien, Tulpen, Rosen, die nie welken. Gebogen, gewickelt, jede mit eigenem Schwung.

Pfeifenputzer, Floristendraht, Messing-Münze

Zu finden im Neuerburger Treffpunkt Kiosk & Bäckerei · Marktstraße 3, 54673 Neuerburg

Goldener Oktober. So nenne ich die letzten Wochen, und zwar aus drei Gründen. Erstens: Es ist absurd warm für Oktober, die Sonne knallt, als hätte sie den Kalender nicht gelesen. Zweitens: Alles, was ich in dieser Zeit gebaut habe, ist schwarz und gold. Und drittens: Ich hatte selten so viel Spaß daran, zwei Projekte gleichzeitig zu jonglieren. Diese Zeit wollte ich einfangen. Oben siehst du das Ergebnis, hier unten erzähle ich, wie es dazu kam.

I

Der Deal

In Neuerburg hat am 5. Oktober der Neuerburger Treffpunkt aufgemacht: Kiosk, Bäckerei, Postannahme, alles unter einem Dach. Und so ein Treffpunkt braucht ein Gesicht. Also habe ich gestaltet: das Logo mit handgelettertem Schriftzug und den Türmen der Stadt, die Plakate zur Eröffnung und gelaserte Holz-Schlüsselanhänger mit 10 % Rabatt auf Heißgetränke.

Auf den Plakaten steht das Logo nicht allein, sondern auf dem, was man im Treffpunkt bekommt: Brötchentüte, Kaffeebecher, Kaltgetränk, Briefumschlag. Das hat einen Grund. Ein neues Logo kennt noch niemand, zur Eröffnung soll es aber trotzdem groß rauskommen. Für Betriebe, die noch nicht bekannt sind, lohnt es sich deshalb, das Produkt direkt mitzuzeigen. Dann verbinden die Leute das Logo mit etwas, das sie schon kennen, und merken es sich eher. Die ganze Geschichte dazu findest du im Portfolio.

Bezahlt wurde ich dafür nicht mit einer Rechnung, sondern mit Platz. Ich darf im Kiosk für mich werben, und mein Kunsthandwerk darf dort verkauft werden. Ein Display, das zwischen Brötchen und Briefmarken steht und sagt: Hier gibt es gutes Design für deinen Betrieb. Und nebenbei auch Blumen, die nie welken.

Kevin, Julia und Angelina stehen neben dem Display im Neuerburger Treffpunkt
Kooperation statt Rechnung

Ich finde, das ist ein ziemlich gutes Modell für kleine Läden und kleine Selbstständige. Der Laden bekommt ein Erscheinungsbild, ich bekomme Sichtbarkeit genau da, wo Menschen aus der Region jeden Morgen vorbeikommen. Und beide haben was davon, wenn es gut aussieht.

II

Das Display

Angefangen hat alles mit einer schwarzen Lochplatte und der Frage: Wie kriege ich Werbung für Websites und gehäkelte Blumen-Energie auf ein und dieselbe Fläche, ohne dass es aussieht wie ein Flohmarkt? Der allererste Prototyp stand noch an der Wand, mit einem Plakat oben drüber und ein paar Anhängern, die etwas verloren an ihren Haken baumelten.

Allererster Prototyp des Displays: Lochplatte mit Plakat und wenigen Anhängern Erstes Zusammenbringen von Display und Produkten an der Lochwand

Dann kamen die Blumen. Viele Blumen. Ich habe ausprobiert, wie bunte Blüten auf Schwarz wirken, und die Antwort war: laut. Sehr laut. Das sah aus wie ein Blumenbeet, das explodiert ist. Schön, aber die Werbung ging darin komplett unter. Also wurde sortiert, ausgedünnt und eine klare Ordnung gefunden: oben ich und mein Angebot, rechts die Anhänger und Hängepflanzen, in der Mitte die Magnete, unten die Vasen.

Experiment: viele bunte Pfeifenputzer-Blumen auf schwarzer Lochplatte Zweite Variante des Blumen-auf-Schwarz-Experiments

Und dann wollte ich unbedingt meine Blume des Lebens als großes goldenes Ornament am Display haben. Aus goldener Kunststoffplatte gelasert, klang nach einer guten Idee. Was ich gelernt habe: ABS-Kunststoff und Laser sind keine Freunde. Das Zeug brutzelt, raucht und hinterlässt schwarze, angekokelte Kanten. Weggeworfen habe ich es trotzdem nicht. Sprühfarbe drüber, und jetzt hängt das Ornament oben rechts am Display und trägt die Schlüsselanhänger. Fehler machen muss gelernt sein.

Fehler machen muss gelernt sein.
Das gelaserte Blume-des-Lebens-Ornament aus goldenem ABS mit angekokelten Kanten
III

Backdrops und Papiergravur

Jedes Objekt sitzt auf einem eigenen Backdrop aus schwarzem Karton. Vorne: ein Spruch, die Objektnummer und das Datum, an dem es fertig wurde. Hinten: „Deine Hände halten ein Kunstobjekt“ und ein paar Zeilen von mir, wofür das Ding gut ist. Die Sprüche sind übrigens bewusst frech. Die Objekte sollen sich als Geschenk eignen, und wer will nicht mal eben „Bleib kleben, Hottie“ an den Kühlschrank geheftet bekommen?

Notizbuch-Skizze mit den Texten für die Rückseiten der Backdrops Skizzen für die Layouts der verschiedenen Backdrops
Druckdaten der Backdrops im Layoutprogramm

Gedruckt wird da nichts, alles ist gelasert. Und Laser auf Papier ist eine Wissenschaft für sich: zu viel Leistung, und es brennt Löcher. Zu wenig, und man sieht nichts. Ich habe Testreihe um Testreihe gelasert, mit Tulpen-Schriftzügen, Sprüchen, Logos, auf schwarzem und weißem Karton, bis die Schrift genau so dezent wurde, wie ich sie haben wollte.

Testreihen auf Papier
Papiergravur-Test: Tulpen-Schriftzug auf schwarzem Karton
Papiergravur-Test mit Spruch und Datum
Papiergravur-Test: verschiedene Sprüche und Blumen-Logo
Papiergravur-Test auf weißem Karton: Deine Hände halten ein Kunstobjekt
Testbogen mit vielen Tulpen-Schriftzügen vor dem Monitor
Nahaufnahme der gelaserten Tulpe-Kunstobjekt-Schriftzüge

Der Haken an dezent: Frontal sieht man die Gravur kaum. Erst wenn Licht schräg drauffällt, glänzt sie auf. Ein bisschen wie bei einem Wackelbild, nur ohne Linsenraster: Je nach Blickwinkel taucht die Schrift auf oder verschwindet wieder im Schwarz. Und weil der Laser die oberste Schicht des Kartons abträgt und freilegt, was darunter liegt, ist das eigentlich Sgraffito, die alte Kratzputz-Technik von Hausfassaden. Nur im Postkartenformat, und mit Licht statt Spachtel. Ich habe mich entschieden, das als Feature zu sehen. Man muss halt kurz hinschauen. Und wer hinschaut, kauft vielleicht.

Und weil ich ein Mensch mit System bin, sind alle Objekte durchnummeriert. Die Serie im Kiosk fängt bei OBJ 022 an. Die Nummern 001 bis 021 stecken in den Thank-You-Boxen, die ich im August an meine Lieblingsmenschen verschickt habe.

Backdrop mit handschriftlichen Pfeilen zu Blume, Perlen-Ornament und Messing-Gravur, OBJ 022
IV

Die Münzen

An fast jedem Objekt baumelt eine kleine Messing-Münze mit meinem Namen. Die sind gelasert, und frisch aus dem Laser sind sie alles andere als golden: Vorher kommt eine Schicht Markierspray drauf. Ohne die würde sich der Laserstrahl in der Spiegelung des blanken Messings verfangen und nur ganz schwach markieren. Mit Spray brennt sich die Schrift sauber ein, aber der Rest sitzt danach auf dem Messing wie ein Schatten. Also hieß es Münze für Münze abwischen, bis der Glanz zurückkommt. Mein Küchenpapier hat danach ausgesehen wie nach einem Kaminabend.

aus der Münzwerkstatt
Messing-Rohlinge in einer Sortierbox auf dem Lasertisch
Gravierte Münzen mit Schriftzug Julia in der Sortierbox
Rußige Münzen frisch aus dem Laser auf Küchenpapier
Halb geputzte Münzen, golden und noch rußig nebeneinander
Saubere goldene Münzen auf der Schneidematte
Münze an einer Pfeifenputzer-Blume in der Vase
V

Die Hängepflanzen

Die Hängepflanzen sind mein neues Lieblingskind. Kleine Töpfchen, an goldenen Ketten, aus denen grüne Glasperlen und Glasblätter ranken. Gedacht für den Rückspiegel im Auto. Ich habe dafür eine ganze Schüssel grüner Perlen gesammelt, Töpfchen mit Draht versehen und den ersten Prototypen unter meiner Schreibtischlampe hängen lassen, um zu sehen, wie er dreht und funkelt.

Schüssel voller grüner Glasperlen Erster Perlenhänger-Versuch hängt unter einer Lampe
Kleine Töpfchen mit goldenem Draht auf dem Arbeitstisch Töpfchen mit Ketten in der Vorbereitung

Und dann der Praxistest: Prototyp an den Rückspiegel, Selfie, losfahren. Es ist das erste Mal, dass ich etwas baue, das Kurven und Schlaglöcher aushalten muss. Bisher hält es. Und es funkelt genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Selfie im Rückspiegel, darunter baumelt der Perlen-Hängepflanzen-Prototyp
Prototyp an den Rückspiegel, Selfie, losfahren.
VI

Blumen am Stiel und der Rest vom Chaos

Die Blumen am Stiel sind aus Pfeifenputzern. Ja, genau die. Biegen, wickeln, formen, Blatt für Blatt, bis aus einem flauschigen Draht eine Lilie wird. Jede Blüte bekommt ihren eigenen Schwung, deshalb sieht auch keine aus wie die andere. Wie bei den Magneten: gleiche Technik, eigener Charakter. Geschwister eben, keine Zwillinge.

Blumen biegen am Schreibtisch
Prototyp der Vase mit Stielblumen vor dem Display
Konzeptversuch: Perlenblume in einer 3D-gedruckten Vase

Für die Schlüsselanhänger habe ich die 3D-gedruckten Blüten aus der Thank-You-Box wieder ausgepackt, diesmal in Schwarz mit goldenen Ornamenten. Nicht jede Perle hat es bis ans Display geschafft. Ein paar goldene Blümchen fand ich am Ende doch doof, die gingen direkt wieder zurück. Und zwischendurch musste natürlich die Katze gestreichelt werden. Prioritäten.

Schwarze 3D-gedruckte Blüte mit goldenen Ornamenten in der Hand Goldene Blumen-Perlen, die wieder zurückgeschickt wurden
der ganz normale Wahnsinn am Schreibtisch
Chaotischer Arbeitstisch mit Perlenboxen, Zangen und Draht
Unordentlicher Schreibtisch mit Blumen, Plakat und Bastelmaterial
Orange Pfeifenputzer-Blume mit Messing-Münze in der Hand
Blumen und Schlüsselanhänger nebeneinander am Display
Blume des Lebens und Sterne in der Laser-Software
Geschwister, keine Zwillinge
VII

Angekommen

Am 12. Oktober habe ich das Display ins Auto gepackt und nach Neuerburg gefahren. Draußen saßen die ersten Gäste schon in der Sonne beim Kaffee, drinnen hat das Display seinen Platz bekommen: direkt vor dem Postschalter, zwischen Paketannahme und Kasse. Da, wo wirklich jeder vorbeimuss.

Außenansicht des Neuerburger Treffpunkts mit Logo-Schild, Gäste sitzen draußen in der Sonne

Hinter dem Treffpunkt stehen Kevin und Angelina, eine junge Familie, die den Kiosk samt Postfiliale übernommen hat, damit er der Stadt nicht verloren geht. Ihr Plan: Der Kiosk soll kein Ort für den schnellen Einkauf mehr sein, sondern einer, an dem man sich trifft und kurz durchatmet. Mit Kaffee, frischen Brötchen und jetzt eben auch mit ein bisschen Kunst.

Und die gelaserten Schlüsselanhänger aus dem Deal? Die stecken auf einer „danke!“-Karte, die ich dafür gestaltet habe, und Angelina hat sie mit Gummibärchen in Organzasäckchen gepackt.

Holz-Schlüsselanhänger mit Logo auf schwarzer danke-Karte, mit Gummibärchen in einem weißen Organzasäckchen
das Display vor Ort
Eingangsbereich des Treffpunkts mit Plakat und Postschild

Seit dem 12. Oktober steht das Display im Neuerburger Treffpunkt, Marktstraße 3. Wenn du in der Nähe bist: Geh vorbei, hol dir ein Brötchen und schau, welches Objekt noch da ist. Und wenn dir eins fehlt, das du oben in der Kollektion gesehen hast, dann hat es schon ein neues Zuhause gefunden.

Du hast einen Laden mit einer freien Ecke? Dann lass uns reden. Ich gestalte, du stellst aus. Oder ganz klassisch mit Rechnung, auch das geht. Schreib mir an [email protected].