Goldener Oktober. So nenne ich die letzten Wochen, und zwar aus drei Gründen. Erstens: Es ist absurd warm für Oktober, die Sonne knallt, als hätte sie den Kalender nicht gelesen. Zweitens: Alles, was ich in dieser Zeit gebaut habe, ist schwarz und gold. Und drittens: Ich hatte selten so viel Spaß daran, zwei Projekte gleichzeitig zu jonglieren. Diese Zeit wollte ich einfangen. Oben siehst du das Ergebnis, hier unten erzähle ich, wie es dazu kam.
Der Deal
In Neuerburg hat am 5. Oktober der Neuerburger Treffpunkt aufgemacht: Kiosk, Bäckerei, Postannahme, alles unter einem Dach. Und so ein Treffpunkt braucht ein Gesicht. Also habe ich gestaltet: das Logo mit handgelettertem Schriftzug und den Türmen der Stadt, die Plakate zur Eröffnung und gelaserte Holz-Schlüsselanhänger mit 10 % Rabatt auf Heißgetränke.
Auf den Plakaten steht das Logo nicht allein, sondern auf dem, was man im Treffpunkt bekommt: Brötchentüte, Kaffeebecher, Kaltgetränk, Briefumschlag. Das hat einen Grund. Ein neues Logo kennt noch niemand, zur Eröffnung soll es aber trotzdem groß rauskommen. Für Betriebe, die noch nicht bekannt sind, lohnt es sich deshalb, das Produkt direkt mitzuzeigen. Dann verbinden die Leute das Logo mit etwas, das sie schon kennen, und merken es sich eher. Die ganze Geschichte dazu findest du im Portfolio.
Bezahlt wurde ich dafür nicht mit einer Rechnung, sondern mit Platz. Ich darf im Kiosk für mich werben, und mein Kunsthandwerk darf dort verkauft werden. Ein Display, das zwischen Brötchen und Briefmarken steht und sagt: Hier gibt es gutes Design für deinen Betrieb. Und nebenbei auch Blumen, die nie welken.
Ich finde, das ist ein ziemlich gutes Modell für kleine Läden und kleine Selbstständige. Der Laden bekommt ein Erscheinungsbild, ich bekomme Sichtbarkeit genau da, wo Menschen aus der Region jeden Morgen vorbeikommen. Und beide haben was davon, wenn es gut aussieht.
Das Display
Angefangen hat alles mit einer schwarzen Lochplatte und der Frage: Wie kriege ich Werbung für Websites und gehäkelte Blumen-Energie auf ein und dieselbe Fläche, ohne dass es aussieht wie ein Flohmarkt? Der allererste Prototyp stand noch an der Wand, mit einem Plakat oben drüber und ein paar Anhängern, die etwas verloren an ihren Haken baumelten.
Dann kamen die Blumen. Viele Blumen. Ich habe ausprobiert, wie bunte Blüten auf Schwarz wirken, und die Antwort war: laut. Sehr laut. Das sah aus wie ein Blumenbeet, das explodiert ist. Schön, aber die Werbung ging darin komplett unter. Also wurde sortiert, ausgedünnt und eine klare Ordnung gefunden: oben ich und mein Angebot, rechts die Anhänger und Hängepflanzen, in der Mitte die Magnete, unten die Vasen.
Und dann wollte ich unbedingt meine Blume des Lebens als großes goldenes Ornament am Display haben. Aus goldener Kunststoffplatte gelasert, klang nach einer guten Idee. Was ich gelernt habe: ABS-Kunststoff und Laser sind keine Freunde. Das Zeug brutzelt, raucht und hinterlässt schwarze, angekokelte Kanten. Weggeworfen habe ich es trotzdem nicht. Sprühfarbe drüber, und jetzt hängt das Ornament oben rechts am Display und trägt die Schlüsselanhänger. Fehler machen muss gelernt sein.
Backdrops und Papiergravur
Jedes Objekt sitzt auf einem eigenen Backdrop aus schwarzem Karton. Vorne: ein Spruch, die Objektnummer und das Datum, an dem es fertig wurde. Hinten: „Deine Hände halten ein Kunstobjekt“ und ein paar Zeilen von mir, wofür das Ding gut ist. Die Sprüche sind übrigens bewusst frech. Die Objekte sollen sich als Geschenk eignen, und wer will nicht mal eben „Bleib kleben, Hottie“ an den Kühlschrank geheftet bekommen?
Gedruckt wird da nichts, alles ist gelasert. Und Laser auf Papier ist eine Wissenschaft für sich: zu viel Leistung, und es brennt Löcher. Zu wenig, und man sieht nichts. Ich habe Testreihe um Testreihe gelasert, mit Tulpen-Schriftzügen, Sprüchen, Logos, auf schwarzem und weißem Karton, bis die Schrift genau so dezent wurde, wie ich sie haben wollte.
Der Haken an dezent: Frontal sieht man die Gravur kaum. Erst wenn Licht schräg drauffällt, glänzt sie auf. Ein bisschen wie bei einem Wackelbild, nur ohne Linsenraster: Je nach Blickwinkel taucht die Schrift auf oder verschwindet wieder im Schwarz. Und weil der Laser die oberste Schicht des Kartons abträgt und freilegt, was darunter liegt, ist das eigentlich Sgraffito, die alte Kratzputz-Technik von Hausfassaden. Nur im Postkartenformat, und mit Licht statt Spachtel. Ich habe mich entschieden, das als Feature zu sehen. Man muss halt kurz hinschauen. Und wer hinschaut, kauft vielleicht.
Und weil ich ein Mensch mit System bin, sind alle Objekte durchnummeriert. Die Serie im Kiosk fängt bei OBJ 022 an. Die Nummern 001 bis 021 stecken in den Thank-You-Boxen, die ich im August an meine Lieblingsmenschen verschickt habe.
Die Münzen
An fast jedem Objekt baumelt eine kleine Messing-Münze mit meinem Namen. Die sind gelasert, und frisch aus dem Laser sind sie alles andere als golden: Vorher kommt eine Schicht Markierspray drauf. Ohne die würde sich der Laserstrahl in der Spiegelung des blanken Messings verfangen und nur ganz schwach markieren. Mit Spray brennt sich die Schrift sauber ein, aber der Rest sitzt danach auf dem Messing wie ein Schatten. Also hieß es Münze für Münze abwischen, bis der Glanz zurückkommt. Mein Küchenpapier hat danach ausgesehen wie nach einem Kaminabend.
Die Hängepflanzen
Die Hängepflanzen sind mein neues Lieblingskind. Kleine Töpfchen, an goldenen Ketten, aus denen grüne Glasperlen und Glasblätter ranken. Gedacht für den Rückspiegel im Auto. Ich habe dafür eine ganze Schüssel grüner Perlen gesammelt, Töpfchen mit Draht versehen und den ersten Prototypen unter meiner Schreibtischlampe hängen lassen, um zu sehen, wie er dreht und funkelt.
Und dann der Praxistest: Prototyp an den Rückspiegel, Selfie, losfahren. Es ist das erste Mal, dass ich etwas baue, das Kurven und Schlaglöcher aushalten muss. Bisher hält es. Und es funkelt genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Blumen am Stiel und der Rest vom Chaos
Die Blumen am Stiel sind aus Pfeifenputzern. Ja, genau die. Biegen, wickeln, formen, Blatt für Blatt, bis aus einem flauschigen Draht eine Lilie wird. Jede Blüte bekommt ihren eigenen Schwung, deshalb sieht auch keine aus wie die andere. Wie bei den Magneten: gleiche Technik, eigener Charakter. Geschwister eben, keine Zwillinge.
Für die Schlüsselanhänger habe ich die 3D-gedruckten Blüten aus der Thank-You-Box wieder ausgepackt, diesmal in Schwarz mit goldenen Ornamenten. Nicht jede Perle hat es bis ans Display geschafft. Ein paar goldene Blümchen fand ich am Ende doch doof, die gingen direkt wieder zurück. Und zwischendurch musste natürlich die Katze gestreichelt werden. Prioritäten.
Angekommen
Am 12. Oktober habe ich das Display ins Auto gepackt und nach Neuerburg gefahren. Draußen saßen die ersten Gäste schon in der Sonne beim Kaffee, drinnen hat das Display seinen Platz bekommen: direkt vor dem Postschalter, zwischen Paketannahme und Kasse. Da, wo wirklich jeder vorbeimuss.
Hinter dem Treffpunkt stehen Kevin und Angelina, eine junge Familie, die den Kiosk samt Postfiliale übernommen hat, damit er der Stadt nicht verloren geht. Ihr Plan: Der Kiosk soll kein Ort für den schnellen Einkauf mehr sein, sondern einer, an dem man sich trifft und kurz durchatmet. Mit Kaffee, frischen Brötchen und jetzt eben auch mit ein bisschen Kunst.
Und die gelaserten Schlüsselanhänger aus dem Deal? Die stecken auf einer „danke!“-Karte, die ich dafür gestaltet habe, und Angelina hat sie mit Gummibärchen in Organzasäckchen gepackt.
Seit dem 12. Oktober steht das Display im Neuerburger Treffpunkt, Marktstraße 3. Wenn du in der Nähe bist: Geh vorbei, hol dir ein Brötchen und schau, welches Objekt noch da ist. Und wenn dir eins fehlt, das du oben in der Kollektion gesehen hast, dann hat es schon ein neues Zuhause gefunden.
Du hast einen Laden mit einer freien Ecke? Dann lass uns reden. Ich gestalte, du stellst aus. Oder ganz klassisch mit Rechnung, auch das geht. Schreib mir an [email protected].



















